Buch selbst verlegen in Österreich Teil 1

Kennt ihr das? Wenn man einen Traum hat, den man Jahre, oder Jahrzehnte, mit sich herumträgt? Bei mir war das der Traum, ein Buch zu schreiben. 25 Jahre lang hatte ich diesen Wunsch, jedoch hatte ich ihn nie in die Tat umgesetzt – bis 2019.

Warum habe ich so lange damit gewartet? Als ich noch jünger war, traute ich es mir schlichtweg nicht zu. Zudem waren damals andere Dinge wichtiger – der erste Job, die erste Wohnung, später Hochzeit, Haus und Kinder… kurzum, es ergab sich einfach nicht.

Der Wunsch meldete sich jedoch immer wieder. Leise, zwischendurch, klopfte er an – um von mir verdrängt zu werden. Ich schob ihn auf die Seite, denn mir war eines klar: Ich wollte nicht unzählige Verlage anschreiben, warten, dann alles aus der Hand geben, und wieder warten. Aber ich dachte: das geht nur so. Ohne Verlag kein Buch. Und der Plan wurde ad acta gelegt.

Anfang 2019 tauchte ich verstärkt in die Welt von Social Media ein und stolperte plötzlich über die Begriffe „Self Publishing“ und „Print on Demand“. Mein Herz schlug höher, als ich realisierte: Heutzutage kann jeder sein Buch selbst veröffentlichen. Man braucht nur einen Dienstleister, der es druckt und verschickt. Ein Verlag ist nicht erforderlich. Jetzt oder nie, dachte ich mir. Ich schreibe mein Buch. Die erste Euphorie legte sich bald, als ich zu recherchieren begann, was dafür notwendig ist. Zum Glück gibt es viele Facebook Gruppen, Blogs, YouTube-Videos (Digitalisierung sei Dank), die dabei sehr hilfreich waren. Mit einer Ausnahme: sie kamen alle aus Deutschland. 

Und wie ist das jetzt in Österreich. Brauche ich einen Gewerbeschein? Wie ist das mit der Steuer? Der Pflichtablieferung? Impressum? Zahlungen an die SVA? Hilfe!

Doch der Reihe nach. Ich habe mir im letzten Jahr alles mühsam selbst zusammengesucht und ich hoffe, dass dieser Blogbeitrag Österreicher/innen hilft, die ebenfalls den Traum vom eigenen Buch haben.

Gewerbeschein ja oder nein?

Zu diesem Thema habe ich leider zwei unterschiedliche Aussagen.

Prinzipiell braucht man keinen Gewerbeschein. Laut Auskunft der IG Autoren benötigt man diesen auch dann nicht, wenn man Cover oder Illustrationen zukauft. Während die für mich zuständige Wirtschaftskammer mir mitteilte, dass wenn Werke von Dritten im Buch verarbeitet werden, wie zB. eben Cover, ein Gewerbeschein notwendig ist. Genau das steht auch auf der Webseite der WKO.

Ich jedenfalls engagierte eine Coverdesignerin, da das Cover DER Blickfang für das Buch ist, der oft über „kaufen oder nicht kaufen“ entscheidet. Somit sollte hier ein Profi ran. Ich habe mir damals also eine Gewerbeberechtigung für Buch-, Kunst- und Musikalienverlag geholt. Ob das nun tatsächlich notwendig ist, kann ich hoffentlich irgendwann noch endgültig klären.

Firmenbuch

Auf eine Eintragung ins Firmenbuch habe ich zu dem Zeitpunkt verzichtet. Ich kann das jederzeit freiwillig nachholen, was ich irgendwann auch tun werde.

Weitere Gewerbescheine?

Plant man, eine Webseite zu erstellen, auf dieser Werbebanner oder sogenannte Affiliate-Links aus Partnerprogrammen wie Amazon einzusetzen, benötigt man entsprechende Gewerbeberechtigungen. Klickt ein Webseitenbesucher auf den Link zu einem Produkt und kauft dieses, so bekommt man als Partner eine kleine Provision, ohne dass sich für den Käufer der Preis verändert. Und ja, man kann auch für seine eigenen Bücher Affiliate Links verwenden.

Nun kommt es darauf an, ob man die Provision erhält, weil man die Werbefläche zur Verfügung stellt (dann braucht man den Gewerbeschein für „Ankündigungsunternehmen“) oder erst in dem Zeitpunkt, in dem der Kunde über diesen Link ein Produkt kauft (hierfür gilt der Gewerbeschein „Direktvertrieb“). Ich nutze Affiliate Links  und brauchte daher Letzteres.

SVA (Sozialversicherung)

Mit dem Lösen des Gewerbescheines werden Abgaben fällig. Da ich normale Angestellte war und Pensions- und Sozialversicherung schon abgeführt wurden, ließ ich mich von den Zahlungen an die SVA befreien. Ich bezahle lediglich die Unfallversicherung, das ist aber eine gute Sache, und kostet nur rund 10 Euro im Monat. Für die Befreiung muss man sich mit der SVA in Verbindung setzen, und ein entsprechendes Schreiben übermitteln, das man bei der Anmeldung des Gewerbes von der Wirtschaftskammer bekommt.

Finanzamt

Für die Anzeige der gewerblichen Tätigkeit beim Finanzamt habe ich von der Wirtschaftskammer ein Formular bekommen. Mit viel Zeit, Recherche und teilweisem Raten, was gemeint sein könnte, lässt sich dieses auch befüllen.

GVA, KSV

Seitens GVA (Gemeindeverband für Abfallwirtschaft) und KSV (Kreditschutzverband) wurden mir sodann Schreiben zugeschickt, die ich ausfüllen und wieder retournieren musste. An dieser Stelle schickte ich bereits Stoßgebete los, dass keine weiteren Formulare mehr kommen mögen.

Wahl des Distributors

Als ich mich durch alle Formalitäten gekämpft hatte, stand die nächste große Frage im Raum: Die Wahl des Distributors. Wo lädt man sein Buch hoch und lässt es drucken und verschicken? Es gibt hier einige, die für Self-Publisher in Frage kommen: BoD (Books on Demand), tolino, tredition, NovaMD,…die Liste ist lang. Hier muss man sich informieren und die Bedingungen genau lesen (manche stellen ein Impressum, andere nicht, manche haben Bindungsfristen an den Anbieter, bei anderen ist man „frei“, Autorenexemplare kosten unterschiedlich viel Geld, einige vertreiben nur E-Books, andere dafür E-Books, Taschenbücher und Hardcover,…). Ich entschied mich für die in meinen Augen einfachste Lösung: Amazon. Die Abwicklung ist relativ simpel, der Kundendienst sehr gut, die Margen sind in Ordnung. Jedoch sind meine Bücher nicht über Buchhandlungen beziehbar.
Als österreichischer Anbieter ist hier Morawa zu nennen.

Brauche ich eine eigene ISBN?

Nein. Mir stellt Amazon eine ISBN, die internationale Standardbuchnummer, zur Verfügung. Man kann jedoch auch eigene ISBNs kaufen und verwenden.

Steuerberater

Ich habe mir einen Steuerberater gesucht, da ich mir nicht zugetraut habe, die Einkommenssteuererklärung selbst zu machen. Ich kann das nur empfehlen, aber ich rate, „Self-Publishing“ erstmal genau zu erklären, und auch die Abrechnungen von Amazon (keine USt aufgrund des Reverse Charge Verfahrens, hier muss sich jeder selbst schlau machen).  Für einige ist das noch Neuland.

Abrechnungen

Die Abrechnungen sind je nach Distributor unterschiedlich. Amazon überweist die Erlöse aus den Büchern automatisch, die Rechnungen für die Steuer muss man jedoch selbst schreiben.

Impressum und Impressumsservice

In jedes Buch muss ein Impressum, dh Name und ladungsfähige Anschrift. Wer seine echte Adresse nicht ins Buch schreiben möchte, kann entweder einen Distributor wählen, der eine zur Verfügung stellt (zB. BoD) oder ein Impressumsservice in Anspruch nehmen. Mit dem ersten Impressumsservice bin ich erst einmal auf die Nase gefallen – ich habe bezahlt und dann über soziale Netzwerke (zum Glück!) erfahren, dass der Anbieter den Betrieb ohne Hinweis eingestellt hat. Ich musste also in allen Büchern das Impressum austauschen und sie neu hochladen. Hier ist also Vorsicht geboten. Leider fand ich bis auf eines (siehe nächster Punkt) kein österreichisches, seriös wirkendes Service.

Schreibprogramm

Man kann sein Buch ganz simpel in Word oder einem anderen Textprogramm schreiben. Oder man leistet sich ein eigenes Schreibprogramm wie Papyrus (welches ich nütze) oder Scrivener. Als österreichischer Anbieter ist hier Patchwork zu nennen. Hier wird auch ein Impressumsservice geboten. 

Lektorat/Korrektorat

Unbedingt Pflicht! Ich habe schon Bücher nach den ersten Seiten genervt wieder vom Kindle geschmissen, weil einfach zu viele Rechtschreibfehler darin waren. Damals wusste ich nicht, wie das passieren kann, nun bin ich schlauer. Self-Publisher, die an der Korrektur gespart haben. Ich bin beim ersten Mal eingefahren, wie man so schön sagt. Die „Lektorin“ war zwar günstig, hat jedoch kein Lektorat, sondern nur ein Korrektorat geliefert, und das verspätet und in schlechter Qualität. Nicht unbedingt, das, was ich wollte. Beim nächsten Versuch schaute ich genauer hin und fand eine gute Lektorin, die mit mir gemeinsam das Buch gut durchgearbeitet, lektoriert und korrigiert hat.
Ich habe mir eine Lektorin in Österreich gesucht, da mein Buch auch hier spielt.

Cover

Das Cover ist das Aushängeschild des Buches. Auch wenn es einem nicht bewusst ist, sieht man Unterschiede zwischen „selbst gemachten“ und professionell gestalteten Covers. Wer nicht so viel Geld hat, kann sich „Premades“ kaufen – das sind bereits fertige Covers von Designern, die nur mehr mit dem Klappentext, Titel und Autorennamen versehen werden. Für meine spezielle Geschichte gab es jedoch kein passendes Premade, und ich ließ es von einer tollen Designerin nach meinen Vorstellungen entwerfen.

Pflichtablieferung

Von jedem gedruckten Werk sind Bibliotheksstücke abzuliefern. In meinem Fall, da ich in NÖ beheimatet bin, muss ich in Summe 5 Bücher an folgende Bibliotheken schicken: Österreichische Nationalbibliothek, Universitätsbibliothek Wien, NÖ Landesbibliothek. Nicht relevant ist, wo die Bücher gedruckt werden.

Das war Teil 1 meines Erfahrungsberichtes. Teil 2 folgt, sobald ich umgesetzt habe, was ich mir vorgenommen habe: Einen Namen für meinen  Verlag zu suchen, diesen ins Firmenbuch einzutragen und somit „offiziell“ als Verlag aufzutreten. Weiters werde ich den Distributor wechseln. Amazon war für die ersten Schritte eine gute Sache. Jedoch möchte ich gerne über Buchhandlungen bestellbar sein, und es gibt doch immer wieder Leser, die nicht über Amazon kaufen möchten.  Die nächsten Stolpersteine warten also schon auf mich: Wie kommt man ins Firmenbuch? Welcher Name ist erlaubt?

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